Diagnose

Diagnose Eierstockkrebs – für die meisten Betroffenen verursacht diese Nachricht Angst und Unsicherheit. Rund 8.000 Frauen erkranken in Deutschland jährlich, jede 68. Frau ist betroffen. Damit ist Eierstockkrebs die sechsthäufigste Krebs- erkrankung bei Frauen. Sichere Früherkennungsuntersuchungen gibt es derzeit nicht. Da der Tumor zu Beginn keine oder wenig Beschwerden verursacht, sind Diagnosen in frühen Stadien meistens Zufallsbefunde.

Im Video erzählt Claudia davon, wie sie mit der Nachricht ihrer Diagnose umgegangen ist.

Funktion der Eierstöcke

Die als Paar angelegten Eierstöcke, in der medizinischen Fachsprache auch Ovarien genannt, gehören zu den primären weiblichen Geschlechtsorganen. In ihnen wachsen die Eizellen bis zum Eisprung heran. Darüber hinaus besteht ihre Funktion in der Produktion der Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron (und Testosteron). Damit nehmen sie entscheidenden Einfluss auf die organischen Abläufe im Körper der Frau.

Was ist Eierstockkrebs?

Beim Eierstockkrebs entarten Zellen im Gewebe der Eierstöcke und wachsen unkontrolliert über die natürlichen Organgrenzen hinaus. Je nachdem, aus welcher Zelle der Eierstockkrebs hervorgeht, unterscheidet man verschiedene Gewebe-Typen. Das so genannte Ovarialkarzinom ist nach dem Gebärmutterkörperkrebs (Endometriumkarzinom) die zweithäufigste bösartige Erkrankung der weiblichen Geschlechtsorgane. Da die Krankheitsbilder des Eileiterkrebses (Tubenkarzinom) und des primären Bauchfellkrebses (primäre Peritonealkarzinose) dem des Eierstockkrebses sehr ähnlich sind, werden für diese Erkrankungen dieselben Behandlungsmethoden eingesetzt.

Wie entsteht Eierstockkrebs?

Häufigkeit von Eierstockkrebs

Laut aktueller Studien des Robert-Koch-Instituts waren in Deutschland im Jahr 2008 rund 8.000 Frauen an Eierstockkrebs erkrankt. Das Risiko, jemals ein Ovarialkarzinom zu entwickeln, liegt bei 1,5 Prozent, das heißt eine von 68 Frauen erhält jährlich die Diagnose. Zum Vergleich: An Brustkrebs, der häufigsten Krebserkrankung der Frau, waren im Jahr 2008 rund 72.000 Frauen erkrankt.

Was sind die Ursachen für Eierstockkrebs?

Die Ursachen des Eierstockkrebses sind nach wie vor nicht eindeutig geklärt. Bei etwa 5 % – 10 % der betroffenen Patientinnen liegt eine genetische Ursache zugrunde, d. h., dass sich bei diesen Frauen eine vererbte Veränderung (Mutation) bestimmter Gene nachweisen lässt. Risikofaktoren, von denen vermutet wird, dass sie die Wahrscheinlichkeit, an Eierstockkrebs zu erkranken, erhöhen, sind steigendes Alter, Kinderlosigkeit sowie eine fett- und fleischreiche Ernährung.

Die Verwendung hormoneller Verhütungsmittel über einen langen Zeitraum dagegen scheint das Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken, ebenso zu senken wie Geburten und Stillen.

Was sind die Symptome des Eierstockkrebses?

Typische Symptome für den Eierstockkrebs gibt es nicht, meist verursacht die Erkrankung vollkommen unspezifische Bauchbeschwerden wie Schmerzen im Unterbauch, Verstopfung, Völlegefühl oder Leistungsabfall, die zudem erst dann auftreten, wenn der Tumor bereits weit fortgeschritten ist. Auch Blutungen zwischen den eigentlichen Regelblutungen oder nach den Wechseljahren können auf Eierstockkrebs hinweisen.

Durch das Fehlen von eindeutigen Symptomen und aufgrund der Tatsache, dass es bislang keine sicheren Früherkennungsmethoden gibt, wird der Krebs bei etwa Dreiviertel der Patientinnen erst in einem späten, d.h. fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Häufig ist die Erkrankung dann nicht mehr auf die Eierstöcke begrenzt, weil der Tumor genug Zeit hatte, um in anderen Bereichen des Körpers Tochtergeschwulste (Metastasen) zu bilden.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Diagnose erfolgt mithilfe verschiedener Verfahren. Meist wird zunächst eine gründliche gynäkologische Untersuchung durchgeführt, bei der der Arzt Gebärmutter, Eierstöcke, Eileiter und Scheide (Vagina) abtastet. Ergeben sich bei dieser Untersuchung Hinweise auf eine Krebserkrankung der Eierstöcke, hat der Arzt also z. B. eine Verdickung des Gewebes ertastet, sind meist weitere Untersuchungen erforderlich.

In der Regel werden dann die Geschlechtsorgane von außen mithilfe von Ultraschall untersucht, wodurch der Arzt Veränderungen an der Gebärmutter, den Eierstöcken oder den umliegenden Lymphknoten und Organen feststellen kann. Im Anschluss erfolgt als wichtigstes Diagnoseverfahren die sogenannte Transvaginalsonographie.

Bei dieser Methode wird eine spezielle Ultraschallsonde verwendet, mit der die Eierstöcke durch die Scheide untersucht werden. Mithilfe dieser Methode kann der Arzt die beiden Eierstöcke genau untersuchen und Veränderungen erkennen und beurteilen.

Weitere sogenannte bildgebende Verfahren, die zur Diagnosestellung herangezogen werden, sind die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT). Bei der Computertomographie werden die Organe des Körpers mit Röntgenstrahlen in verschiedenen Schichten dargestellt. Die Magnetresonanztomographie dagegen kommt ohne Röntgenstrahlen aus, hier werden die untersuchten Organe mithilfe von Magnetfeldern abgebildet. Beide Verfahren dienen zur genaueren Darstellung eventuell vorhandener Tumore bzw. Metastasen und geben Aufschluss über das genaue Ausmaß der Erkrankung.

In der Regel wird der Arzt auch ein Blutbild erstellen. Dabei werden bestimmte Parameter untersucht, die Hinweise auf das Vorliegen eines Tumors geben können, u.a. die sogenannten Tumormarker. Sie sind bei den meisten Krebsarten erhöht, eignen sich allerdings nicht als eindeutiges Diagnoseverfahren. Sie sind aber für die spätere Verlaufskontrolle der Erkrankung ein Anhaltspunkt, da Veränderungen des Werts Hinweise auf das Verhalten des Tumors geben können. Deshalb wird die Höhe der Tumormarker zum Zeitpunkt der Diagnose bestimmt, um Schwankungen erkennen zu können.

Nicht in jedem Fall sind jedoch alle Verfahren notwendig – welche Untersuchungen bei Ihnen genau erforderlich sind, wird Ihr Arzt mit Ihnen besprechen.

Auf dem richtigen Weg - Interview mit Prof. Dr. med. Jalid Sehouli

Prof. Dr. med. Jalid Sehouli, Direktor der Klinik für Gynäkologie der Charité, im Interview über neueste Entwicklungen in der Therapie von Eierstockkrebs.

Welche Funktionen und Bedeutung haben die Eierstöcke für eine Frau?
Die Eierstöcke beherbergen die Eizellen und bringen die Eizelle einmal im Monat zum sogenannten Eisprung. Außerdem sind sie für die Produktion der weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron zuständig.

Prof. Dr. med. Jalid SehouliWelche Funktionen und Bedeutung haben die Eierstöcke für eine Frau?

Die Eierstöcke beherbergen die Eizellen und bringen die Eizelle einmal im Monat zum sogenannten Eisprung. Außerdem sind sie für die Produktion der weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron zuständig. Sie bestimmen den Zyklus der Frau und sind wichtig für Haut, Herz-Kreislauf und alle Geschlechtsorgane. Ihre hormonelle Funktion hört in der Regel mit 50 Jahren auf, also in der Menopause. Darüber hinaus sind die Eierstöcke von großer Bedeutung für die Frau. Ihr Verlust bedeutet für viele junge Patientinnen, die dann nicht mehr schwanger werden können, eine enorme emotionale und psychische Belastung. Wenn zudem eine Hormonersatztherapie nötig wird, kann dies auch zu belastenden Nebenwirkungen führen.

Was löst eine Krebserkrankung bei den Patientinnen aus? Was sind die möglichen Ursachen von Eierstockkrebs?

Etwa 5 bis 10% der Frauen haben eine genetische Belastung, d.h. Großmutter, Mutter oder Tante waren schon an Brust- oder Eierstockkrebs erkrankt. Hier kann eine so genannte BRCA1- oder 2-Mutation vorliegen. Der Großteil sind aber Spontanmutationen, von denen wir die Ursache noch nicht kennen. Wir wissen aber, dass bei vielen Krebserkrankungen körperliche Bewegung, das Gewicht und die Ernährung eine Rolle spielen. Was wir konkret in Bezug auf Eierstockkrebs immer mehr verstehen ist, dass die Erkrankung selbst nicht einheitlich ist. Es gibt verschiedene Tumortypen, die wahrscheinlich auch unterschiedliche Ursprünge haben. So können z.B. Zellen aus dem Eileiter letztlich zu Krebs führen oder neuerdings wird auch eine Verbindung zwischen Endometriose und bestimmten histologischen Typen beschrieben. Im Ganzen sind wir auf einem guten Weg, die Erkrankung sowohl in ihrer Entstehung als auch in ihrem Verlauf unterscheiden und besser behandeln zu können.

Wenn eine Patientin als Erstdiagnose „Ovarialkarzinom“ erhält, was würden Sie ihr raten? Was soll sie tun?

Die Diagnose Eierstockkrebs ist natürlich ein Schock für jede Patientin/Frau und für die ganze Familie. Da empfehle ich immer trotz aller Angst und Sorge, erst einmal zu überlegen: Welche Behandlung bekomme ich und wo lasse ich mich behandeln? Jeder sollte eine Zweitmeinung einholen am besten in einem Therapiezentrum. Denn sowohl die Qualität als auch die Art der Behandlung haben einen großen Einfluss auf die Überlebenschance und die Lebenslänge.

Sind Frauen genügend aufgeklärt über Eierstockkrebs? Welche Bedeutung hat die Kampagne „Lebenssprung“?

In einer Untersuchung meiner Arbeitsgruppe wurden über 1.800 Eierstockkrebspatientinnen in acht europäischen Ländern befragt: Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Behandlung? Welche Informationen wünschen Sie sich? Das Ergebnis: Die Betroffenen verlangen mehr Aufklärung und verständliche Informationen. Sie möchten wissen: Welche Therapien gibt es? Was kann ich gegen Nebenwirkungen tun? Aber auch: Wie kann ich besser mit der Erkrankung leben? Im Vordergrund stehen oft ganz praktische Fragen. Die Kampagne „Lebenssprung“ ist eine sehr wichtige Aktion, die sich als eine der ersten zum Ziel gesetzt hat, mit kostenlosen Broschüren und bundesweiten Veranstaltungen das Bewusstsein für Eierstockkrebs in unserer Gesellschaft nachhaltig zu verbessern. Die Erkrankung ist immer noch ein Tabu. Dies gilt es, durch Informationen zu bekämpfen.

Wie ist der Stand der Forschung im Bereich Eierstockkrebs? Welche Fortschritte gibt es?

Grundsätzlich sind wir mehr und mehr in der Lage, individuell auf die Patientin einzugehen. Wir verstehen zunehmend, warum Erkrankungen unterschiedlich verlaufen und eine Therapie so oder anders wirkt. Daher empfehlen wir häufig Kombinationstherapien, z.B. Chemotherapie plus Gefäßblocker. Außerdem haben wir erkannt, dass Eierstockkrebs ein komplexes immunologisches Phänomen auslöst. Deshalb versuchen wir, klassische Therapiekonzepte mit immunologischen zu verbinden. Hier geht es um das Wechselspiel von Krebszelle, gesundem Gewebe und Immunsystem. Die Studienkonzepte werden mehr und mehr international geplant und durchgeführt, um möglichst zügig die Ergebnisse für unsere Patientinnen zu bekommen.

Was kann eine Patientin tun, um die optimale Behandlung zu erhalten?

Jede Patientin sollte ihren Arzt fragen, ob die Möglichkeit besteht, an einer Studie teilzunehmen. Nur hier stehen neueste Behandlungsverfahren frühzeitig zur Verfügung. Grundsätzlich gilt: Es ist wichtig, mehr als eine Option zu haben, gerade wenn der Tumor wiederkommt. Dabei können Studien helfen.

Wie sehen Sie die Zukunft von Diagnostik und Therapie?

Ich glaube, dass wir in einigen Jahren die Tumore nicht mehr nur nach Gewebetypen unterscheiden, sondern nach ihrer Funktion. Das heißt, wir werden sehr konkret wissen, wo welche Therapie besser wirkt. So können wir auch frühzeitig sagen, welche Patientin, welche Nebenwirkungen entwickelt. Trotzdem bleibt beim Eierstockkrebs auch die Qualität der Operation einer der grundlegenden und prognostisch relevantesten Schritte.

Lieber Prof. Sehouli, vielen Dank für das Gespräch!