Psychosoziale Aspekte

Nach der Therapie beginnt für viele Frauen eine schwierige Zeit, auf die sie nicht ausreichend vorbereitet sind: Zum einen fehlen Sicherheit und Routine des Therapiealltags, zum anderen fällt es vielen Frauen schwer, ihr „altes“ Leben wieder aufzunehmen, als sei nichts geschehen. Sich mit der eigenen Erkrankung auseinanderzusetzen und eventuell professionelle Hilfe zu holen, kann Betroffenen in dieser Situation helfen.

Karin berichtet über die Unterstützung ihrer Familie und Rosi über ihre Arbeit in der Selbsthilfegruppe.

Selbsthilfe und psychoonkologische Beratung

Ob Ersterkrankung oder Rezidiv – eine Krebserkrankung bedeutet immer einen großen Einschnitt in das Leben der Betroffenen, ihrer Familie und Freunde. Alle Beteiligten müssen lernen, mit der neuen Situation umzugehen.

Hier sollte sich die Patientin aktiv Hilfe suchen. Dabei muss sie für sich selbst entscheiden, welche Art der Unterstützung für sie die geeignete ist. Gerade der Kontakt zu Patientinnen in vergleichbaren Situationen hat sich für viele Frauen als nützlich erwiesen. Gespräche und gemeinsame Aktivitäten in einer Selbsthilfegruppe können dabei helfen, Mut und Zuversicht zu schöpfen und die eigene Situation besser zu verarbeiten. In fast allen größeren deutschen Städten finden sich Selbsthilfegruppen für Patienten mit Krebserkrankungen. Allerdings gibt es bisher nur wenige, die sich auf Eierstockkrebs spezialisiert haben.

In einzelnen Fällen können die Schwierigkeiten im Umgang mit der Erkrankung so groß sein, dass nur eine professionelle Beratung und Therapie hilft. Ärzte und Psychologen, die sich auf dieses Feld spezialisiert haben – so genannte Psychoonkologen – sind in einer solchen Situation wichtige Ansprechpartner. Sie können Betroffenen nach der Diagnose helfen, indem sie über Möglichkeiten der Bewältigung informieren und das Leben mit einer Krebserkrankung begleiten. Bei Fragen im wirtschaftlichen und sozialen Bereich, beispielsweise zur beruflichen Wiedereingliederung oder Möglichkeiten der Berentung, stehen außerdem soziale Beratungsdienste zur Verfügung.

Auswirkungen auf Familie und Partnerschaft

Neben der Patientin sind natürlich auch Familie und Partnerschaft von der Erkrankung betroffen. Meist erfährt die Patientin eine breite emotionale Unterstützung der Familie und deren Bereitschaft, Verantwortung für die nun anfallenden Aufgaben zu übernehmen. Daraus kann sich eine neue Familiendynamik entwickeln, die für alle Beteiligten ein positives Gefühl der Solidarität bewirkt. Langfristig ist eine Rückkehr zu den vertrauten familiären Abläufen möglich oder aber es ergibt sich eine neue Aufgabenverteilung innerhalb der Familie.

„Krebs und Sexualität“ spricht ein besonderes Problem an und ist für viele ein Tabuthema. Nach der Diagnose tritt die eigene Sexualität oft in den Hintergrund. Doch auch wenn die Krankheit überwunden ist, können ein verändertes Körperempfinden und die Nebenwirkungen der medikamentösen Therapie eine große Veränderung bedeuten. Allgemeine Schwäche, Vernarbungen im kleinen Becken sowie der Hormonausfall in Folge einer Entfernung der Eierstöcke stellen häufig eine Belastung dar. Die Schleimhäute sind weniger feucht, was beim Geschlechtsverkehr leicht zu Entzündungen und oberflächlichen Verletzungen führen kann. Doch auch hier gibt es Hilfsmittel wie östrogenhaltige Scheidenzäpfchen. Ein offenes Gespräch mit dem behandelnden Arzt kann helfen.

Berufliche Wiedereingliederung

Für viele Frauen stellt der Beruf eine wichtige Dimension in ihrem Leben dar, die durch die Eierstockkrebserkrankung bedroht ist. Nach Abschluss der Therapie muss die Patientin für sich klären, welche Stellung der Beruf in ihrem Leben einnimmt.

Wird der Beruf wieder aufgenommen, können Wiedereingliederungshilfen in jeder Form angenommen werden. Der Abschluss der Therapie ist nicht gleichzusetzen mit der Wiedererlangung der vollen Leistungsfähigkeit: Oft dauert es Wochen oder Monate, bis sich die Patientin wieder bereit für die Arbeitsbelastung fühlt. Besteht ein lang andauerndes Leistungstief, auch als Fatigue-Syndrom bekannt, können Betroffene bei entsprechenden Stellen eine professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen.

In der Regel hat jede Frau, die an Eierstockkrebs erkrankt, Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis. Dieser wirkt sich unter anderem positiv aus auf Kündigungsschutz, Steuerfreibetrag und Urlaubsanspruch. Auch kann sich nach Abschluss der Therapie die Situation der Berufsunfähigkeit einstellen. Mit dem behandelnden Arzt und den zuständigen Behörden muss dann geklärt werden, in welchem Umfang die Voraussetzungen für eine Berentung erfüllt sind.